Am letzten Januarwochenende fanden in mindestens 54 Städten in 20 Ländern rund um den Globus eine der größten Wellen internationaler Solidarität innerhalb der antiautoritären ArbeiterInnen-Bewegung statt. Die Protestaktionen richteten sich gegen ein Urteil, dass es BerlinerInnen verbietet, sich in der Gewerkschaft ihrer Wahl zu organisieren [Siehe auch: Internationaler Protesttag gegen Angriff auf Gewerkschaftsfreiheit].
Die Geschäftsführung des Kino Babylon Mitte hatte ein Gerichtsurteil erwirkt, das der FAU Berlin untersagt, sich als Gewerkschaft zu bezeichnen. Mittlerweile versuchen die Bosse des Babylon sogar, gerichtlich Geld- oder Haftstrafen gegen die FAU Berlin durchzusetzen. Hintergrund der grotesken juristischen Manöver, die ein Novum im post-faschistischen Deutschland darstellen, ist ein monatelanger Konflikt zwischen der Betriebsgruppe der FAU im Kino Babylon Mitte und der Geschäftsführung.
Unter folgendem Link sind Berichte aus den einzelnen Städten zu finden, die fortlaufen aktualisiert werden. Weitere Informationen über den Konflikt finden sich auf einer Sonderseite zum Thema.
[Update] Berichte vom internationalen Aktionstag gegen den Angriff auf die Gewerkschaftsfreiheit
ASJ Berlin: Transpiaktion vor ver.di im Rahmen des internationalen Aktionstages gegen den Angriff auf Gewerkschaftsfreiheit
In den frühen Morgenstunden des 29.01.2010 wurde von Mitgliedern der Anarchosyndikalistischen Jugend (ASJ) Berlin im Zuge einer Solidaritäts- und Unterstützungsaktion ein Transparent mit dem Spruch "Da hat's der Chef nicht schwer - ver.di gelb - Babylon prekär" gegenüber der ver.di-Zentrale entrollt.
Aus der Erklärung der ASJ-Berlin:
Mit dieser Aktion soll in Unterstützung der kämpfenden Belegschaft des kommunal geförderten Kino Babylon auf die Verhaltensweise ver.di´s im Arbeitskampf hingewiesen werden. ver.di hat sich gegen das klare Votum der Belegschaft, ohne Einhaltung der von der Belegschaft geforderten Verbesserungen im Alleingang mit der Geschäftsleitung, vertreten durch Timothy "Thatcher" Großmann und Tobias Hackel, auf einen Tarifvertrag unter dem ver.di-Bundestarifvertrag geeinigt.
Damit hat ver.di (spätestens!) in diesem Arbeitskampf gezeigt, dass sie sich wie eine gelbe Gewerkschaft verhält. Wir als Jugendliche, SchülerInnen, Auszubildende, StudentInnen, aber auch Erwebslose wollen dies so nicht hinnehmen!
Zeigt Solidarität! Nutzt den Aktionstag der Freien ArbeiterInnen Union! Unterstützt die Belegschaft!
Siehe auch: Berichte vom internationalen Aktionstag gegen den Angriff auf die Gewerkschaftsfreiheit
Gewerkschaftsfreiheit: Aktionswoche während der Berlinale
Während Stars und Sternchen sich im Glanze und Glamour der Berlinale feiern lassen, herrschen hinter den Kulissen trübe Zustände. So z.B. im Babylon Mitte, das Teil der Berlinale ist. Dort kämpfen nicht nur Beschäftigte seit einem Jahr für bessere Arbeitsbedingungen, dort geht es sogar um die Gewerkschaftsfreiheit. Die FAU Berlin ruft deshalb zu vielfältigen Aktionen während der Berlinale auf, u.a. einer Demonstration am 20. Februar.
Offener Brief der FAU Aachen im Rahmen des internationalen Aktionstages anlässlich des Angriffs auf Gewerkschaftsfreiheit
Offener Brief der Freien Arbeiter und ArbeiterInnen Union (FAU) Aachen an :
Kreisverband ver.di Aachen
Kreisverband DIE LINKE Aachen
Kreisverband DIE LINKE Düren
ver.di Jugendsekretäriat Bezirk Aachen/Düren/Erft
Andrej Hunko, MdB für DIE LINKE
DIE LINKE, Altkreis Jülich
Liebe Genossinnen und Genossen!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Dieser Brief informiert über das Verbot gegenüber der FAU Berlin sich Gewerkschaft zu nennen und damit implizit als solche zu handeln.
Wir fordern Sie auf, sich mit der FAU Berlin und den Beschäftigten im Kino Babylon solidarisch zu erklären und sich damit zur Koalitionsfreiheit zu bekennen.
Es ist in Deutschland ein bisher einmaliger Fall, dass GewerkschaftsaktivistInnen für ihre gewerkschaftliche Arbeit mit einem Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder ersatzweise mit einer Haftstrafe bis zu einem halben Jahr bedroht werden.
Gabriel Kuhn wird die Einreise in die USA verweigert
Unrast-Autor Gabriel Kuhn, unter anderem Herausgeber des Buches „‚Neuer Anarchismus in den USA. Seattle und die Folgen“ (2008), wurde die Einreise in die USA verweigert. Kuhn, der auch mit dem US-Verlag PM Press zusammenarbeitet, hatte für März bis Mai 2010 eine ausgedehnte Lesereise in den USA geplant. Grund für die Einreiseverweigerung ist, dass sein Name auf der „No Fly List“ der US-Regierung (auch bekannt als „Terrorist Watch List“) erscheint. Informationen zu den Einträgen der No Fly List werden im Namen der „nationalen Sicherheit“ nicht erteilt, aber es ist anzunehmen, dass dieser Eintrag in Zusammenhang mit einem FBI-Verhör steht, zu dem es während Kuhns letztem USA-Aufenthalt im Jahre 2005 gekommen ist.
Die No Fly List wird zu einem immer weiter ausgedehnten Repressions- und Überwachungsapparat, der sich jedweder öffentlichen Prüfung entzieht. Die Möglichkeiten, die dies zur Unterdrückung und Bekämpfung politischer AktivistInnen und sozialer Bewegungen eröffnet, werden zunehmend deutlich.
Kuhn ist kein Einzelfall. Nach Angaben von US-Sicherheitsbeamten wurden im letzten Jahr angeblich 19.000 Mal Treffer für Terrorverdächtige erzielt. Wer genau darunter fällt, bleibt ebenso unklar wie die Kriterien, die bei dem Prozedere angewandt werden.
Siehe auch: Interview: Anarchismus in den USA heute
Via: Pressemeldung des Unrastverlags
Mitschnitt: Podiumsdiskussion zum Thema "Splittergewerkschaften – Eine Alternative?"
Am 14. Juli 2009 fand an der Universität Trier eine Podiumsdiskussion zum Thema „Splittergewerkschaften – Eine Alternative?“ statt. Als Teilnehmer geladen waren Christian Schmitz, als Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aus Trier und Rudolf Mühland von der FAU aus Düsseldorf.
Eingeladen hatte der AStA der Universität Trier unter der Fragestellung „ob das Engagement in Splittergewerkschaft eine echte Alternative zu der Mitgliedschaft in den Einheitsgewerkschaften des DGB´s darstellt“.
In gewohnt sympathischer Weise erklärt und erläutert Rudolf Mühland Struktur, Praxis und Perspektiven des Anarcho-Syndikalismus und der größten anarcho-syndikalistischen Organisation in der BRD, der FAU. Dabei erläutert er aus der täglichen Praxis heraus die Vorzüge anarcho-syndikalistischer Organisierung und Solidarität. Auch Themen wie „Einheitsgewerkschaft“ und „gesetzliche Bestimmungen“, „politischer und wilder Streik“ werden thematisiert. Ein interessantes Gespräch, dessen fast Zweistündiger-Mitschnitt sich als mp3 auf der Homepage der Uni Trier findet.
Internationaler Protesttag gegen Angriff auf Gewerkschaftsfreiheit
Solidarität mit der FAU Berlin am 29./30. Januar!
Am 5. Januar wurde gerichtlich bestätigt, dass die FAU Berlin sich weiterhin nicht als „Gewerkschaft“ oder „Basisgewerkschaft“ bezeichnen darf. Zuvor wurden ihr bereits gerichtlich Arbeitskampfmaßnahmen untersagt. Für den Fall, dass die FAU Berlin dennoch eines von beiden wagen sollte, wurden ihr Strafen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro oder Haftstrafe angedroht. Jetzt ist breite Solidarität gefragt.
Dieser juristische Angriff auf die Gewerkschaftsfreiheit in Deutschland ist nicht zuletzt das Ergebnis eines Arbeitskampfes, den die FAU Berlin seit Monaten mit den Beschäftigten gegen das Management des Kino Babylon Mitte in Berlin führte. Die FAU ist der Ansicht, dass es allein Sache von uns ArbeiterInnen ist, zu definieren, was eine Gewerkschaft ist oder welche Gewerkschaft wir für uns wollen. Das Urteil, das in dieser Hinsicht einen Präzedenzfall darstellt, betrifft uns alle.
Die FAU hat beschlossen, sich auf vielfältige Weise gegen dieses faktische Gewerkschaftsverbot zu wehren. So wurde u.a. angekündigt, gegen das Verbot juristisch, notfalls durch alle Instanzen, vorzugehen. Unsere stärkste Waffe ist jedoch nicht das Vertrauen in die Justiz, sondern unsere grenzenlose Solidarität.
Anarchistisch-Syndikalistische Jugend: (Selbst)Organisierte Freiheit
Chronisch unorganisierter Anarchismus? Die Anarchistisch-Syndikalistische Jugend (ASJ) will das Gegenteil beweisen.
Dem Anarchismus haftet das Klischee der Unorganisiertheit seit jeher, und nicht immer völlig unbegründet, an wie Kaugummi. Seit mehreren Monaten befindet sich nun die Anarchistisch Syndikalistische Jugend (ASJ) im Aufbau. Diese Jugendorganisation, die der Freien ArbeiterInnen Union (FAU) nahe steht, hat zwar noch keine allgemeinen Statuten und kein einheitlich verschriftlichtes Selbstverständnis. Die ASJ-Ortsgruppe Bonn umreißt ihren Gesellschaftsentwurf aber beispielsweise in ihrem eigenen Selbstverständnis: „Wir lehnen jegliche Form von Zwang oder Hierarchie ab und streben eine gewaltfreie, basisdemokratische und in allen Lebensbereichen selbstverwaltete Gesellschaft an.“
Neben Bonn gibt es auch in Herne/Recklinghausen, Duisburg, Münster, Düsseldorf und Berlin Ortsgruppen der ASJ. Außerdem befindet sich in Göttingen momentan eine ASJ-Gruppe in Gründung. Die nordrhein-westfälischen Gruppen bilden zusammen die Regionalföderation NRW. Sie treffen sich regelmäßig gemeinsam, planen den Aufbau der „Bewegung“ und neue Aktionen.
Broschüre: Rudolf Rocker - Anarcho-Syndikalismus
Syndikalismus.tk hat den von Rudolf Rocker bereits im Jahre 1937 - auf Drängen von Emma Goldman - verfassten Text "Anarcho-Syndikalismus" erstmals in Deutsche Sprache übersetzt. Zur Unterstützung der spanischen Sozialen Revolution, die von einer Millionen ArbeiterInnen umfassenden anarcho-syndikalistischen Bewegung getragen wurde, sollte eine Schrift aufgelegt werden, die der nicht-spanischen Öffentlichkeit erklären sollte, was Anarcho-Syndikalismus ist, und welche Ziele er verfolgt. Was lag näher, als einen der profundesten Theoretiker und Organisatoren der Bewegung selber dazu zu Wort kommen zu lassen? In der ihm eigenen leicht verständlichen Darstellung verfasste Rudolf Rocker in kürzester Zeit diesen umfassenden, grundsätzlichen Text. Obwohl dieser Text bereits zahlreiche Neuauflagen in anderen Sprachen (z.B. in Spanisch und Englisch) erfuhr, wurde er bislang in deutschsprachigen Ländern nicht publiziert.
Inhaltsverzeichnis
Rudolf Rocker: Anarcho-Syndikalismus
Kapitel 1: Der Anarchismus: Ziele und Richtungen
Kapitel 2: Das Proletariat und der Beginn der modernen Arbeiterbewegung
Kapitel 3: Vorläufer des Syndikalismus
Kapitel 4: Die Bestrebungen des Anarcho-Syndikalismus
Kapitel 5: Die Methoden des Anarcho-Syndikalismus
Kapitel 6: Die Entwicklung des revolutionären Syndikalismus
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