Zanon, eine Fliesenfabrik im patagonischen Neuquèn ist wohl der bekannteste selbstverwaltete Betrieb in Argentinien. Die Fabrik, die von den ArbeiterInnen liebevoll auf den Namen FaSinPat (Fábrica Sin Patrones - Fabrik ohne Besitzer) umgetauft wurde, hat eine lebhafte Vergangenheit hinter sich, die sie weit über die Grenzen von Südamerika bekannt gemacht hat.
Hintergrund
Zanon wurde im Oktober 2001 von ArbeiterInnenn besetzt. Mit großer Unterstützung aus der Bevölkerung verhinderten die ArbeiterInnen in den vergangenen Jahren mehrere Räumungsversuche. Ab 2002 produzieren die ArbeiterInnen in Selbstverwaltung. In den ersten Jahren produzierten sie ohne jegliche rechtliche Absicherung. Erst im Oktober 2005 überlies ihnen das Konkursgericht in Buenos Aires die Fabrik offiziell zur Nutzung per Gerichtsentscheidung (bzw. der von ihnen gegründeten Kooperative FaSinPat (Fábrica sin Patrones - Fabrik ohne Chefs). Die Überlassungsfrist lief eigentlich bis Oktober 2009, wurde aber letztes Jahr auf Antrag eines Gläubigers um ein Jahr verkürzt.
160 Betriebe sind in Argentinien in der Krise von den ArbeiterInnen übernommen worden. Zanon / FaSinPat ist darunter das Projekt mit den radikalsten Positionen und den weitestgehenden internen Veränderungen. Von Anfang an haben sie sich nicht nur darum gekümmert, die Produktion wieder in Gang zu bringen und auszuweiten (wobei sie auch auf diesem Gebiet große Erfolge vorweisen können: die Produktion wurde von 20.000 qm Fliesen pro Monat auf 400.000 qm erhöht, und die Belegschaft von 260 auf 470 compañeras ausgeweitet). Sie haben auch die Basisdemokratie weiterentwickelt und von der Fabrik aus ein Netz politischer und solidarischer Beziehungen aufgebaut. Intern werden alle Entscheidungen auf Versammlungen gefällt, und nach außen heißt es "Die Fabrik im Dienst der Gemeinschaft": einen Teil der Produktion spenden sie für soziale Projekte, und die Fabrik wird immer wieder als Freiraum für politische und kulturelle Veranstaltungen geöffnet.
Aktuelle Entwicklung - Etappensieg für die Belegschaft
Am 13. August 2009 hat die Belegschaft der Keramikfabrik einen weiteren Etappensieg errungen: Das Provinzparlament verfügt die Enteignung des Besitzers. Einziger Wehrmutstropfen: Das Gesetz sieht vor, daß die Provinz 23 Millionen Peso, umgerechnet etwa vier Millionen Euro, an die Gläubiger des ehemaligen Besitzers zahlt. Anläßlich dieser Entwicklung hat Wladek Flakin ein Interview mit Raul Godoy (Jahrgang 1965) geführt, der Arbeiter in der Lackabteilung der Keramikfabrik Zanon ist. Wir dokumentieren den Text im 2. Abschnitt dieses Beitrags, den wir der Jungen Welt (Ausgabe vom 21.08.2009) entnommen haben.