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Zitat des Tages und der Nacht

 

Um das Prinzip des Staates zu treffen, ist es besser, zu sagen, dass es nicht den Staat sondern lediglich eine Durchstaatlichung gibt, da das Staatliche über (durchaus vielfältige) Herrschaftsdiskurse pro- und reproduziert wird ...  Der Staat ist nicht ein fremdes Monster dem entflohen oder das gezähmt werden muß. Er ist überall, beginnend bei uns selbst ...

Gabriel Kuhn 

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NDR & SZ: Sachbücher des Monats Juni 2007 E-Mail
Mittwoch, 29. August 2007
ImageHin und wieder erlebt mensch Überraschungen die einen nachhaltig mit Freude erfüllen. Eine solche Überraschung erlebte ich gestern, als ich auf die Webseite FAU.org surfte. Dort war folgende News- Meldung zu lesen: NDR und Süddeutsche Zeitung haben gemeinsam die Sachbücher des Monats Juni 2007 gewählt. Den ersten Platz hat das wunderbare Werk Anarchie! Idee - Geschichte - Perspektiven des Anarchisten Horst Stowasser belegt.

Auf der Webseite heißt es:

Unermeßlich viele Bücher gibt es, die unser Wissen mehren und unser Denken weiten wollen - und ein paar davon sind sogar auch sehr gut. Die große Jury, die alle vier Wochen für den NDR und die Süddeutsche Zeitung die Sachbücher des Monats bestimmt, hat wieder ein paar lesenswerte gefunden: zum Beispiel 'Der Vesuv - Geschichte eines Berges' von Dieter Richter oder 'Energiesicherheit - die neue Vermessung der Welt' von Sascha Müller-Kraenner. Auf Rang eins aber steht Horst Stowassers Einführung in die Anarchie! Der 56-jährige Autor ist kein reiner Theoretiker. Er versucht, mit Gleichgesinnten in einem eigenen kleinen Projekt nach anarchistischen Prinzipien zu leben. Alexander Solloch hat das Sachbuch des Monats Juni gelesen.

Ein paar Auszüge aus seinem Buch:

Anarchie ist nicht Chaos, sondern Ordnung ohne Herrschaft. Sie will etwas ganz Neues schaffen: ein Leben, in dem die Freiheit der Menschen obenan steht und nicht die Wirtschaft oder die Arbeit an sich. Das Dasein soll auch Spaß machen. Alles, was getan und geändert werden muss, sollen die Menschen - und zwar alle Menschen! - selbst organisieren. Das, was sie für ein anständiges Leben brauchen, wissen sie selbst am besten und können es auch sehr gut selbst entscheiden. Nicht der Herr, nicht die Wissenschaft oder die Wirtschaft dürfen ihnen ihr Leben vorschreiben ? sie selbst sollen es bestimmen...", schreibt nun aber Horst Stowasser. Ein bekennender Anarchist, der mit seinem ziegelsteindicken Buch aufklären will: aufklären über das, was Anarchie in seinen Augen ist und nicht ist, was sie leisten kann und warum sie seiner Meinung nach eine dem Menschen sehr angemessene Lebensform ist.

Lebendige Anarchie ist kein neues Regelwerk, sondern eine Idee, das Leben freier zu gestalten. Leben aber ist nicht etwa nur Essen, Schlafen, Wohnen, Arbeit oder soziale Organisation. Leben ist allumfassend, bunt, vielfältig, kreativ...

Ein sonderbares Buch: es regt auf, löst Kopfschütteln aus, und erregt möchte der Leser rufen: so einfach geht das doch nicht! und das ist doch naiv! und überhaupt...! Ja, es ist ein Buch, das einige Schwächen hat. Horst Stowasser findet keine klare Position, will vordergründig beobachtender Wissenschaftler sein und wird doch immer wieder Partei, wankt und schwankt ohne Linie zwischen Konjunktiv und Indikativ, verliert sich bisweilen in Geschwätzigkeiten - und doch: ein faszinierendes Buch, ein bereicherndes Buch. Es bereichert, weil es zeigt, der Glaube an vermeintliche Selbstverständlichkeiten kann ganz leicht erschüttert werden, wenn der Mensch einfach mal Fragen stellt.

Das Potenzial möglicher Empörer ist unerschöpflich. Wohl jeder selbstbewusste Mensch kennt diesen Zorn. Vielleicht haben auch Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wieso da eigentlich Menschen über Ihnen sind, die Ihnen Anweisungen geben und über Ihr Leben und Ihre Zukunft entscheiden dürfen: ein ganzes System der Hierarchie, von dem wir ja schließlich wissen, dass es alles alles andere als gut funktioniert.

Es sind die Fragen, die das Buch so wertvoll machen, es ist das Einfach-Mal-Drüber-Nachdenken: Mit welchem Recht erheben sich Menschen über andere, um ihnen zu befehlen? Mit welchem Recht denken Menschen an den schnellen Euro von heute und verhöhnen das Leben von morgen? Mit welchem Recht zerstören Menschen die Erde? Der Anarchist schlägt vor: die Hierarchien werden abgeschafft, die Menschen versuchen, in kleinen Gruppen, vernetzt, nach ihrer Fasson, miteinander zu leben, nicht fremdbestimmt, sondern nach dem Prinzip der freien Vereinbarung.

Das Leben selbst würde zu einem Kunstwerk: Kunst, Alltag, Freude, Protest, Genuß, Provokation, Spontaneität, Kreation und Kommunikation - all das ginge eine kaum noch entwirrbare Verbindung ein, die in der Lage wäre, Grenzen zu sprengen. Die Natur kennt all das: Kooperation und Konkurrenz, Tausch, Diebstahl und Geschenk, Verdrängungskampf und gegenseitige Hilfe, Hierarchie, Solidarität und Freiräume. Die Natur regelt sich selbst, und zwar mit großem Erfolg.

Recht haben sie- sowohl Horst Stowasser als auch die Jury! Bleibt also nur noch zu schreiben: Buch kaufen , verstehen, sich organisieren und bessere Lebensbedingungen für alle schaffen!



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