|

Zitat des Tages und der Nacht

"Wir sind es, die wir die Städte und Paläste - hier in Spanien und in Amerika und überall - gebaut haben. Wir Arbeiter können andere Städte und Paläste an ihrer Stelle aufrichten und soger bessere. Wir haben nicht die geringste Angst vor Trümmern. Wir werden die Erben dieser Erde sein... Hier, in unserem Herzen, tragen wir eine neue Welt. Jetzt, in diesem Augenblick, wächst diese Welt."


Buenaventura Durruti

Zitate im Überblick

Radio Libertad

entlassung bei kaisers E-Mail
Sonntag, 22. Juni 2008
Kassiererin streikt: Kaiser´s kündigt.
Komitee "Solidarität mit Emmely". 
Am 19. Juni hat das Arbeitsgericht über die Entlassung von Emmely entschieden. Sie arbeitet seit 31 Jahren als Kassiererin in einem Kaiser’s in Hohen Schönhausen. Ihr wird vorgeworfen, zwei Pfandbons im Wert von insgesamt 1,30 Euro falsch abgerechnet zu haben. In Wirklichkeit geht es darum, die Beschäftigten der Filiale einzuschüchtern und vom Streik abzuhalten. Emmely war die letzte ihrer Filiale, die sich noch zu streiken traute.

Das Scenario einer Tarifverhandlungen scheint wohl bekannt. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung von X%. Die Arbeitgebern finden es ist zu viel. Um deren Position abzulenken wird es demonstriert oder gestreikt. Heimliche Verhandlungen sorgen für Suspens in den Medien. Nach einiger Zeit ist man sich aber einig. Ouf ! Zwar sieht die Lohnerhöhung mager aus. Aber das Leben kann weiter ihr Kurs laufen. Die Demokratie ist gerettet.

Schaut man in die Kulissen des seit mehr als einem Jahr dauernden Tarifkonfliktes im Einzelhandel hinein, entdeckt man eine ganz andere Realität. Dort trifft man vor allem Menschen, genauer Frauen. Aus Verzweiflung haben viele den Kampf aufgegeben. Während andere dazu gezwungen wurden. So Emmely, 50 Jahre, seit 31 Jahren in einer Kaiser’s Filiale beschäftigt.

Als sie dort als Verkauferin zu arbeiten anfing, handelte es sich um einen staatlichen Laden der DDR. Nach der Wende wurden viele Arbeitsplätze abgeschafft, so dass die Beschäftigten immer intensiver arbeiten mussten. Die Arbeitszeit wurde gekürzt, die Schichten flexibilisiert. Verkauferinnen wurden zu Kassiererinnen. Und die Löhne immer geringer. Wie viele andere alleinerziehende Müttern musste sich Emmely anpassen. Bei der hohen Arbeitslosigkeit kann man sich über eine Festanstellung und deren dazugehörigen Sozialversicherung nur freuen. Im Supermarkt wurden dennoch die Restruktierungen fortgesetzt: heute arbeiten neben Festangestellten billig bezahlten Studenten, Leiharbeiten und Honorarkräfte. Teure Langfristigangestellte wie Emmely werden zur Tür geschubst.

Als Ende 2006 die Arbeitgebern des Einzelhandels den Tarifvertrag kündigten, weil sie die Zuschläge für Spät- und Nachtarbeit (gerade wo die Öffnungszeiten verlängert werden), das Urlaub und Weihnachtsgeld nicht mehr bezahlen wollen, dachte Emmely: jetzt geht es zu weit. Mit anderen Kolleginnen streikte sie. Am Anfang haben sie sich stark gefühlt. Sie sind demonstrieren gegangen, konnten in der Öffentlichkeit über ihre Problemen erzählen. Sie waren vertrauensvoll, denn sie wissen, sie sind richtig. Jede Arbeit muss sein Lohn kriegen. Wird das Leben teurer, erwirtschaften die Supermärkte mehr Profite, dann müssen sie auch besser bezahlt werden. Und nicht das Gegenteil, es ist logisch.

Während des Streiks haben aber die Supermärkte Leiharbeitern eingesetzt. Die Medien interressierten sich wenig für ihren Kampf. Sodass er kaum Wirkung hatte. Zurück bei der Arbeit wurden sie von der Geschäftsführung durch Gespräche und Kontrolle eingeschüchtert. Januar 2008 war Emmely die Letzte in der Filiale, die sich noch getraut hat, weiter zu streiken. Dann musste sie diese wahnsinnige Geschichte mit dem Leergutbon und der fristlosen Verdachtskündigung erleben. Das stand nicht im Scenario der Tarifverhandlung. Dafür ist noch kein «Happy End» zu sehen, wenn überhaupt.

Der Skandal beginnt damit, dass schon die unbewiesene Behauptung, Pfandbons über 1,30 € nicht korrekt eingelöst zu haben, die Existenzgrundlage einer Beschäftigten, die 31 Jahren im selben Betrieb arbeitete, vernichten können soll. Das deutsche Arbeitsrecht lässt zu, dass Beschäftigten bereits auf Grund eines dringenden Tatverdachts gekündigt werden kann, die sogenannte Verdachtskündigung. Damit kann der Kündigungsschutz von Beschäftigten mit Hilfe von unbewiesenen Beschuldigungen ausgehebelt werden. Dies wird von Arbeitgebern immer wieder genutzt, um unliebsame Beschäftigte los zu werden.

Der erste Kammertermin in diesem Verfahren findet am 19. Juni um 10:15 Uhr in Raum 213 im Arbeitsgericht am Magdeburgerplatz 1 statt. Die Verhandlung ist öffentlich. Unterstützung ist willkommen.

Kaiser's muss die Kündigung zurücknehmen und sie wieder einstellen. «Ich verfolge den Kampf, bis ich mein Recht gekriegt habe», sagt Emmely.

Sie müssen nicht bei Kaiser's einkaufen: Sagen Sie Ihrer Filialleitung die Meinung zur Kündigung von Emmely und gehen sie woanders einkaufen bis die Kündigung zurückgenommen ist.

Komitee « Solidarität mit Emmely

http://de.indymedia.org/2008/06/220342.shtml



Weitere Texte und Artikel

Ältere Artikel
          Nächste Seite&gt&gt