Die Geschichte der Ausschlachtung der Nordhausener Fahrradfabrik ist ein Skandal: Der interessierten Öffentlichkeit wird die texanische
US-Investmentgesellschaft Lone Star (mit Büros in Frankfurt, Brüssel)
als Besitzerin vorgeführt, die dieses Werk genauso "platt-saniert"
habe, wie auch das andere Biria-Stammwerk im sächsischen Neukirch (im
November 2005 wurde die deutsche Biria AG von Lone Star geschluckt,
Biria verkaufte weniger Fahrräder als erwartet.)
Die Hintermänner der Zerschlagung der Biria-Gruppe sind aber Lone Star
und der Mitkonkurrent MIFA, die Mitteldeutsche Fahrradwerke AG im
sachsen-anhaltinischen Sangerhausen. Die MIFA kaufte im Dezember 2006
die gatus 233. GmbH in Berlin, die zu dem einzigen Zweck gegründet
wurde, um die Vermögenswerte der Biria-Gruppe - ihr gehörten die Werke
in Neukirch und Nordhausen - zu erwerben. Die Verschmelzung der
Tochtergesellschaft gatus 233. GmbH mit der MIFA soll demnächst
rückwirkend zum 01.01.2007 erfolgen.
Was will die Lone Star?
Geht es um eine Marktbereinigung oder wird die Übernahme der MIFA bereits organisiert,
um sie nur noch als Mantelgesellschaft zu nutzen? Jedenfalls erhielt
die Lone Star als Dank für dieses abgekartete Spiel zwischen ihnen, der
MIFA und der bankrotten Biria-Gruppe ein 25%-Aktienpaket an der
börsennotierten MIFA... Sämtliche Aufträge wanderten so von Neukirch
und Nordhausen nach Sangerhausen. Die Biria-Gruppe muss aktuell 5,2
Millionen Euro öffentliche Subventionen zurückzahlen, nicht aber die
ehemalige Besitzerin, Lone Star...
Wer hat all dies eingefädelt?
Ist es der MIFA-Vorstand Peter Wicht - ehemaliger
Kombinats-Direktor von Robotron? Zusammen mit seinem Kompagnon Michael
Lehmann gehört ihm auch ein weiteres Aktienpaket an der Hyrican
Informationssysteme AG (Ex-Lehmann & Partner), Massenproduzent
billiger Computer für Kaufhausketten; im benachbarten Kindelbrück ist
er Aufsichtsratsvorsitzender.
Marcus Brüning wurde ab dem 16. April 2007 für seine treuen
Dienste in den MIFA-Vorstand berufen, nachdem er "von 2006 bis 2007 als
Geschäftsführer bei der Biria-Gruppe, Neukirch/Nordhausen"
(MIFA-Halbjahresbilanz 2007) erfolglos tätig gewesen ist. Seine
Kernkompetenzen "Interimsmanagement, Sanierungs- und
Restrukturierungsberatung" erlernte er u.a. als Prokurist der Dresdner
Bank AG, München; heute ist er nebenbei Gesellschafter bei Günther
& Partner: "Kauf und Verkauf von Unternehmen, Finanzierung und
Restrukturierung" in München.
Zwei Aufsichtsratsmitglieder der MIFA sind übrigens gleichzeitig im selben Gremium der Hyrican AG tätig: Uwe Lichtenhahn, Sparkassendirektor i.R. aus Mannheim und Hans-Joachim Rust, Leiter Risikomanagement der MLE-Bank GmbH - Tochter des japanischen Mitsubishi-Konzerns.
Was haben Lone Star und Wicht, Lehmann und Brüning vor?
Wir klagen öffentlich an, dass diese offensichtlichen Zusammenhänge
verschwiegen wurden, vielmehr wurde die global operierende
multinationale Lone Star auserkoren, damit das Geheul von den
Arbeitsplatz fressenden ausländischen "Heuschrecken" ertönen konnte.
Das profitgierige Konsortium besteht aber neben der Lone Star auch aus
einheimischen Kapitalisten wie Peter Wicht, der Hyrican aus
Kindelbrück, der auf einen Streich 355 Arbeitsplätze seiner Konkurrenz
vernichtet hat, um seinen Profitrate zu steigern.
Will er nun zusammen mit der Lone Star seine beiden Firmen für
fertigproduzierte Computer und Fahrräder aus Korea (Samsung ist der
Hauptlieferant) sturmreif schießen?
Diesem abgekarteten Spiel kann nur durch internationale Solidarität
begegnet werden, die FAU wird ihre internationalen
Schwester-Gewerkschaften in der IAA um Solidarität bitten, um dem
Arbeitsplatz fressenden Durchmarsch der Wicht-Lehmann-Gruppe und der
Lone Star auf dem europäischen Computer- und Fahrrad-Markt Widerstand
entgegen zu setzen.
V.i.S.d.P.: Folkert Mohrhof, Grünebergstr. 81, 22763 Hamburg
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