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Lionbridge Technologies in Polen entlässt Gewerkschafter E-Mail
Dienstag, 4. März 2008

Lionbridge ist ein multinationales Unternehmen für Lokalisierungen und Übersetzungsservice mit Standorten in Europa, den Vereinigten Staaten, Indien und China. Im Dezember 2007 gründete sich eine neue basisdemokratische Gewerkschaft in der Firma. Am 12. Februar wurde der Gewerkschafter Jakub G. entlassen. Die Entlassung kam kurz nach der Bekanntgabe der Existenz der Gewerkschaft. Unsere polnischen GenossInnen von der ZSP rufen zu Solidaritätsaktionen für Jakub auf.

Lionbridge ist ein multinationales Unternehmen für Lokalisierungen und Übersetzungsservice mit Standorten in Europa, den Vereinigten Staaten, Indien und China. Im Dezember 2007 gründete sich eine neue basisdemokratische Gewerkschaft in der Firma. Ende Januar diesen Jahres gab sie sowohl ihre Gründung als auch die zuständigen Vertreter an den Arbeitsplätzen der Firma bekannt. Nur wenige Gewerkschaftsmitglieder wurden dem Management benannt. Die vertretende Gewerkschaft hat somit das Recht, jede/n ArbeiterIn in der Firma rechtlich zu verteidigen.

Am 12. Februar wurde der Gewerkschafter Jakub G. entlassen. Die Entlassung kam kurz nach der Bekanntgabe der Existenz der Gewerkschaft. Nach polnischem Arbeitsrecht genießt Jakub als gewählter Vertreter der Gewerkschaft Kündigungsschutz.

Einige Management-Vertreter reagierten negativ auf die Gründung der Gewerkschaft. So erklärte Jakub, dass er gewarnt wurde, eine Gewerkschaft würde der Kompetenz des Unternehmens schaden. Am 7. Februar, vor einem Gewerkschaftstreffen, erhielt ein anderer Gewerkschaftsvertreter einen Brief seitens des Managements mit der Bitte um die Befürwortung von Jakubs Entlassung. In diesem Brief klagt ihn Lionbridge an, er hätte Firmengeheimnisse verraten und vertrauliche Informationen weitergegeben.

Ihm wurde vorgeworfen, das Firmenimage mit einem im Internet veröffentlichtem Artikel zu beschädigen. Dafür gab es keinerlei Beweise und tatsächlich hatte sich eine andere Person zu dem Artikel bekannt. Der fragliche Text bezieht sich auf die Gründung der Gewerkschaft bei Lionbridge in Polen, beschreibt die praktische Gewerkschaftsarbeit und wurde ebenfalls in anderen Publikationen zitiert. Lionbridge unterstellt die Veröffentlichung von vertraulichen Daten, obwohl der Inhalt des Textes nachweislich auf Quellen im Internet verfügbarer Informationen besteht.

Die Gewerkschaft beantwortete den Brief vom 7. Februar mit dem Hinweis auf keinerlei Beweislast und den Kündigungsschutz Jakubs. Die Firma reagierte weder auf diese Antwort noch auf die eingereichten Beweise, die Jakubs Unschuld bezeugen.

So hielt die Firma an ihren Plänen fest und entließ Jakub am 12. Februar. Er klagt nun vor dem polnischen Arbeitsgericht und dem Zivilgericht auf Wiedereinstellung gegen seinen früheren Arbeitgeber. In Polen sind solche Fälle von Entlassungen in Missachtung des Gesetzes sowie des Kündigungsschutzes von Gewerkschaftern üblich. Meistens passieren sie nach einer Gewerkschaftsgründung. Es gibt Fälle, in denen GewerkschafterInnen Entlassungen wegen "Schädigung des Unternehmens" erfahren, weil sie Arbeitsbedingungen der Presse weiter gegebenen hatten. Vor dem Arbeitsgericht sind solche Entlassungen nicht zulässig, und die ArbeiterInnen werden wieder eingestellt. Dennoch haben die Unternehmen es schaffen können, sie einige Monate vom Arbeitsplatz fern zu halten.

Die ITUC hat dutzende dieser Fälle dokumentiert, auch die Entlassung geschützter ArbeiterInnen. Dabei sind die "Weitergabe vertraulicher Informationen" oder das "Handeln zum Schaden des Unternehmens" die häufigsten Unterstellungen, um GewerkschafterInnen entlassen, die gerade beginnen, Gewerkschaftsstrukturen aufzubauen.

Im aktuellen Fall wird die Klage gegen Lionbridge 3000 USD zuzüglich 2000 USD schon geleisteter Gerichts- und Anwaltkosten in Anspruch nehmen. Sicherlich geht die Klage positiv für Jakub aus, aber sie kann über ein Jahr dauern.

Deshalb sind jegliche Spenden erwünscht, Jakubs finanzielle Situation ist zur Zeit schwierig. Nachdem der Fall gewonnen wurde, können die Spenden zurückgezahlt werden. Bitte kontaktiert dazu info(at)zsp.net.pl, um die Kontoverbindung zu erhalten. Dieser Kontakt beantwortet ebenfalls für Fragen zur neu gegründeten Gewerkschaft.

Die FAU hat zwischenzeitlich Protestnoten an die beiden Niederlassungen von Lionbridge Technologies in der BRD geschickt. Die slowakischen GewerkschafterInnen der Priama Akcia haben der Niederlassung in Zilina einen Besuch abgestattet und die Beschäftigten über die gewerkschaftsfeindliche Haltung des Konzerns informiert.

Lionbridge unterhält in der BRD zwei Niederlassungen in Wuppertal und Unterhaching bei München.

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