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Nachrichten

Deutsche Bahn verlangt 70000 Euro für Nutzung von Bahnhöfen und Streckennetzen

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Die Deutsche Bahn verlangt von den OrganisatorInnen der Ausstellung "Zug der Erinnerung" rund 70000 Euro als Gebühr für die Nutzung des Streckennetzes und der Bahnhöfe. Das Unternehmen argumentiert, es sei dazu gesetzlich verpflichtet. Die verkehrspolitischen SprecherInnen aller Bundestagsfraktionen hatten die Bahn bereits Mitte Januar aufgefordert, die Kosten an den Veranstalter als Spende zurückzugeben.

Laut einem Unternehmenssprecher der DB sieht der »klare Rechtsrahmen« hingegen »keine Ausnahmeregel« für den Ausstellungszug vor. Die Höhe der Gebühren sei außerdem bereits bekanntgewesen als die Nutzung der Bahntrassen beantragt worden sei. Hans-Rüdiger Minow, Sprecher des Vereins "Zug der Erinnerung", sieht in den finanziellen Forderungen hingegen einen Skandal. Er attestiert der Bahn-AG, als Unternehmen das zu hundert Prozent in Bundesbesitz ist, »Ignoranz« gegenüber dem Willen seines Eigentümers. Das Bundesverkehrsministerium hatte 15000 Euro für die Ausstellung gespendet, konnte aber die Kosten, wie vom »Zug der Erinnerung« beantragt, nicht übernehmen, da die DB wirtschaftlich eigenverantwortlich sei.

Vereinssprecher Minow warf der Deutschen Bahn vor, die "Deutungshoheit über Opfer- und Tätergeschichte erreichen" und damit die Bahngeschichte während des Nationalsozialismus vergessen machen zu wollen.

 
Hintergrund 

Die Reichsbahn deportierte nach Schätzungen insgesamt drei Millionen Menschen in die Vernichtungslager. Darüber hinaus arbeiteten bis Kriegsende 400000 Zwangsarbeiter für die Instandhaltung des Schienennetzes. Im »Zug der Erinnerung« werden neben den Schicksalen der Opfer vor allem auch Biographien der Täter gezeigt, die meist straffrei blieben.

Bemühungen der Bahn 

Im Gegensatz dazu versuche die Bahn unter anderem mit ihrer Ausstellung »Sonderzüge in den Tod«, die zur Zeit in Halle zu sehen ist, »durch die Darstellung der Opfergeschichte die Tätergeschichte zu unterdrücken«. Dem entgegnete ein DB-Unternehmenssprecher »Wir tun viel« und verwies unter anderem auf die Gedenkstätte für die deportierten Juden am Berliner S-Bahnhof Grunewald. Das Argument, die Täterseite nicht zu beleuchten, widerlegte er aber nicht. Weiterer Kritikpunkt Minows ist der Umgang mit Nazigrößen der Bahn in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. So stehe beispielsweise auch der Reichsverkehrsminister Julius Dorpmüller für die »personellen Kontinuitäten«. Dorpmüller wurde von der deutschen Bundesbahn, dem Vorgängerunternehmen der DB, offiziell geehrt und seine Grabstätte bis 1990 finanziert.

Die Deutsche Bahn beharrt darauf, juristisch weder Nachfolgeorganisation der »Deutschen Reichsbahn« noch der Deutschen Bundesbahn zu sein und lehnt jede Verantwortung an der Judenvernichtung ab. Allenfalls habe man eine »moralische Verpflichtung«.

Die Ausstellung haben bisher knapp 130000 Menschen in 27 Bahnhöfen besucht.

Aachen

Laut WDR Angaben haben in Aachen  alleine am Sonntag, 2. März 2008 - dem Eröffnungstag - mehr als 2.000 Menschen die Ausstellung im Hauptbahnhof besucht. Rund achtzig BesucherInnengruppen aus der Region hätten neben zahlreichen Einzelpersonen am Montag und Dienstag die Ausstellung besucht.

Redigierte Textquelle: Junge Welt, Online-Ausgabe vom 06.03.2008 

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