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"Wir sind es, die wir die Städte und Paläste - hier in Spanien und in Amerika und überall - gebaut haben. Wir Arbeiter können andere Städte und Paläste an ihrer Stelle aufrichten und soger bessere. Wir haben nicht die geringste Angst vor Trümmern. Wir werden die Erben dieser Erde sein... Hier, in unserem Herzen, tragen wir eine neue Welt. Jetzt, in diesem Augenblick, wächst diese Welt."


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Dokumentation: Fight Fascism in Stolberg abgesagt - Ausführliche Erklärung der OrganisatorInnen E-Mail
Freitag, 29. August 2008
Wie bereits angekündigt, fällt das Fight Fascism- Festival im August diesen Jahres in Stolberg aus. Über die Gründe, die die VeranstalterInnen zur Absage bewegt haben, hatten wir gestern bereits kurz berichtet. Im nun folgenden Abschnitt dokumentieren wir die ausführliche Erklärung der HauptorganisatorInnen, den Vertretern der Gruppe Z (Stolberg) und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Aachen.

 

Die Veranstalter der bislang erfolgreichen antifaschistischen Jugendkonzerte in Münsterbusch sagen das achte Jugendkonzert am Samstag 30. August wegen unerfüllbarer Forderungen von Polizei und Stolberger Stadtverwaltung ab.

Vor einem Jahr fand unser letztes Konzert im Jugendheim Münsterbusch statt. Nach dem Abzug der Polizei konnten 15 maskierte und bewaffnete Neonazis einen Überfall auf Jugendliche durchführen. Es gab Verletzte bei den jugendlichen Konzertbesuchern. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt. Anklage ist nicht erhoben worden. Die Neonazis wollten die Besucher und Veranstalter einschüchtern und so verhindern, dass die erfolgreichen, gut besuchten Veranstaltungen weiter durchgeführt werden. Immerhin wohnt in direkter Nachbarschaft der NPD Ratsherr Kunkel, der regelmäßig parallel zu Trinkgelagen seine Schlägertruppe der „Kameradschaft Aachener Land“ einlud. Immer wieder versuchte Kunkel in den vergangenen Jahren, vor dem Jugendheim zu provozieren.

Erwähnen wollen wir noch, dass wir von uns aus nach dem Konzert jeweils eine gründliche Reinigung des Geländes und des Gebäudes vornahmen. Es gelang uns stets, die Vorschriften des Jugendschutzgesetztes einzuhalten. Was den Neonazis nicht gelang, ist nun doch gelungen: die Absage des nicht-kommerziellen Jugendfestes. Stadt und Polizei spielen in der alten Zink-Stadt Stolberg mit ebensolchen Karten. Allen Beteuerungen zum Trotz wurden uns neue Hindernisse in den Weg gestellt, die wir letztlich nicht mehr überwinden konnten. Obwohl schon im April die Schäden an der Decke des Jugendheimes Münsterbuschs bekannt waren, bekamen wir Mitte Juni wie in den Vorjahren einen Gestattungsvertrag ohne Auflagen für die Nutzung des Jugendheimes.

Wir begannen mit der Werbung für das Jugendkonzert. Ende Juli kam dann an die Öffentlichkeit, dass die Halle für Veranstaltungen nicht mehr genutzt werden kann und wir wurden Anfang August darüber in Kenntnis gesetzt. Wir wollten aber an dem Angebot eines nicht kommerziellen und politisch gegen Rechts gerichteten Jugendkonzerts festhalten und fragten an anderen möglichen Orten nach. In der Atscher Schule fanden wir schnell Ersatz. Nun aber wurden wir mit einem „Vertrag“ konfrontiert, der für uns ganz neue und wie sich herausstellte unerfüllbare Forderungen enthielt. Wir haben und hatten bislang immer einen eigenen Ordnerdienst. Jetzt sollte wir gezwungen werden, einen kommerziellen Sicherheitsdienst zu engagieren. Das geht aus zwei Gründen nicht. Erstens ist der Charakter des Jugendkonzertes nicht-kommerziell. Eines unserer Ziele war und ist, ein Angebot für Jugendliche zu schaffen, die über wenig Geld verfügen und deshalb keinen hohen Eintrittspreis bezahlen können und sich auch keine Gaststättenpreise bei den Getränken leisten können. Ein professioneller Sicherheitsdienst wird bei kommerziellen Veranstaltern einfach auf den Eintrittspreis gerechnet. Das kam für uns nicht in Frage.

Zweitens haben wir unseren Ordnerdienst auch dafür gebraucht, um Neonazis von der Veranstaltung fernzuhalten. Ohne zu pauschalisieren kann man doch sagen, dass solche kommerziellen Ordnerdienste oft von äußerst rechts eingestellten Personen durchsetzt sind, Wir wollten uns keine Laus in den Pelz setzen, wozu uns die Auflagen aber zwingen wollten.

Die Auflagen machten uns verantwortlich nicht nur für das, was innerhalb der Räumlichkeiten stattfinden sollte, es wurde von uns verlangt, in den umliegenden Strassen Igelweg und Jahnstrasse für Ordnung zu sorgen, insbesondere den Verzehr alkoholischer Getränke zu unterbinden. Obwohl wir für den öffentlichen Straßenraum vom Gesetz her gar nicht zuständig sein können und dies originäre Aufgaben der Polizei und des Ordnungs -bzw. Jugendamtes sind, wurden Zuwiderhandlungen von Dritten uns angelastet und wir wurden mit Ordnungsgeldern bedroht. Wir hätten die Beseitigung von Verunreinigungen durch Konzertbesucher bezahlen müssen. Der Igelweg ist dabei eine lange, abends nicht einsehbare Strasse.

Wir halten fest: Die Auflagen sind erstens neu und zweitens schon in der Kürze der Zeit nicht zu erfüllen. Drittens hat die Polizei, die im letzten Jahr nach dem Konzert kläglich versagte, dafür gesorgt, dass das Risiko eines erneuten Überfalls durch Neonazis auf uns überging. Eine öffentliche Aufgabe, der Schutz unserer Veranstaltung, solle delegiert werden an möglicherweise dubiose private Sicherheitskräfte. Ein vereinbarter Gesprächstermin mit unseren Sicherheitsbeauftragten wurde von der Polizei „aus Termingründen“ abgesagt.

Der Bürgermeister hat in den vergangenen Jahren an die jugendlichen Besucher des Konzertes ein Grußwort gerichtet. Nach den Neonazi-Demonstrationen im Frühjahr hat er neu grüßen lassen: von seiner Verwaltung, die das erreichte, was die Neonazis bislang nicht geschafft haben. Jetzt wird auch deutlich, was es bedeutet, wenn eine Stadt gegen „Radikalismus“ vorgehen will. Das Engagement gegen Rechts wird nur unterstützt, wenn es den Segen von Polizei und Verwaltung hat, am Besten noch von der Obrigkeit selbst organisiert wird. Wenn jemand Opfer neofaschistischer Gewalt wurde, ist nicht die Organisierung von Gegenwehr gewünscht, sondern Stillhalten. Die Ruhe, die der Kampf gegen „Radikalismus“ verspricht, ist die Friedhofsruhe. Wir haben nicht vergessen, dass die Neonazis in Stolberg Pogromstimmung verbreiten konnten („Auch Türken haben Namen und Adressen- kein Vergeben, kein Vergessen“) Das wurde als ihr „demokratisches Recht“ dargestellt und mit tausenden von Polizisten gegen Proteste geschützt. Unser antifaschistisches Jugendkonzert aber wird keinesfalls unterstützt, sondern mit schikanösen Auflagen verhindert. Das ist nahe der Definition einer national befreiten Zone: wenn die Neonazis marschieren dürfen und ihre potentiellen Opfer den Mund halten (sollen).

Wir haben nicht die Illusion, dass hier übereifrige Verwaltungsbeamte und ein paar Hardliner der Polizei übers Ziel hinausgeschossen sind. Das hat Methode. Aber das Versprechen dieser Leute ist trügerisch und es ist ahistorisch. So ist die Geschichte schon einmal verlaufen und sie ist- wie immer man es betrachtet- mächtig schief gegangen. Deshalb kann es keine „Ruhe“ geben. Es ist nicht die Zeit und nicht der Anlass, Ruhe zu bewahren. Wir werden keine Ruhe geben

Wir rufen auf, am Samstag, den 11. Oktober 2008 gemeinsam laut, bunt und heftig gegen den geplanten Infostand der NPD in der Stolberger Innenstadt zu demonstrieren unter dem Motto „Fight Facism 8 / mobil“


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