Am 26.4.2008 ruft die NPD zum Großaufmarsch nach Stolberg (Rhld.) bei Aachen auf. Beteiligt sind freie Kameradschaften, etwa die „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), aber auch konkurrierende Kräfte, wie die NS-Szene um den Hamburger Neonaziführer Christian Worch. Erwartet werden ca. 800 Neonazis aus Deutschland und den umliegenden Staaten. Der Anlass des Großaufmarsches ist die Tötung eines jungen Mannes in Stolberg.
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- Dokumentation: Hintergründe zu den Aufmärschen von Neonazis in Stolberg
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| Donnerstag, 24. April 2008 | |
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AntifaschistInnen aus der Region Aachen haben einen umfangreichen
(Presse-) Text zu den Hintergründen der geplanten und bereits durchgeführten Neonazi-Aufmärschen in
Stolberg (Kreis Aachen) verfasst, den wir hier dokumentieren.
Am 4.4.2008 kam es zu einer Auseinandersetzung
zweier Gruppen Jugendlicher, die für einen der Beteiligten tödlich
endete (Vgl. ntv, Klarmann, AZ).
Schon am Tag der Auseinandersetzung begannen neonazistische Kreise die
Mythologisierung des Opfers in die Wege zu leiten. Er wurde stilisiert
zum im Kampf ermordeten Soldaten, zum Märtyrer für die
national(sozialistisch)e Sache, zum Held, der für Deutschland fiel.
Das Vorgehen der bundesdeutschen Neonazi-Szene
erinnert stark an die Mythologisierungsstrategien schwedischer
Neonazis: In Salem, einem Vorort Stockholms, kam im Jahr 2000 ein
junger Neonazi bei einer Auseinandersetzung mit Migranten zu Tode. Auch
in Schweden wurde der Tote umgehend zum Märtyrer stilisiert. Seitdem
findet dort jedes Jahr einer der größten NS-Aufmärsche Europas statt.
Einer der prominentesten Teilnehmer des Aufmarsches im schwedischen
Salem ist Christian Worch (Recherche Nord).
Da es den dortigen neonazistischen Organisationen anfangs gelang, ihren
Aufmarsch als Trauerarbeit darzustellen, reagierten weder
Öffentlichkeit noch Gemeindeverwaltung (antifa.de, nmr.nu).
Dies ist auch der deutschen Neonaziszene bekannt. Längst
parallelisieren sie in ihren Internet-Foren Stolberg mit Salem: „Der
bestialische Mord erinnert irgendwie an die viehische Abschlachtung
unseres Kameraden Daniel Wretström in Schweden. Ich hoffe das (sic) dem
nunmehr gestern gefallenen Märtyrer (…) genauso aktiv gedacht wird. Es
sollte an seinem Todestag jedes Jahr eine gewaltige Trauerveranstaltung
geben (…)“.
Bundesweit (Indymedia, Indymedia, Indymedia, Indymedia) und im europäischen Ausland (Indymedia NL, Zentropa)
wurde das Ereignis aufgegriffen. In etlichen Städten fanden als
Reaktion Demonstrationen neonazistischer Kräfte statt. Zugunsten eines
Großaufmarsches in Stolberg wurden andere an diesem Tag geplante
Aufmärsche abgesagt. Strategisches Ziel der bundesdeutschen
Neonaziszene ist es, einen jährlichen Aufmarschanlass zu initiieren, es
„bietet sich die Chance mit dem Aufbau eines Märtyrers einen Ersatz für
die zunehmend floppenden ‚Rudolf-Hess-Aufmärsche’ zu schaffen“ (Recherche Nord).
Auch ist Stolberg kein unbeschriebenes Blatt (Heise).
Rund 25 Jahre - bis 1991- befand sich in Stolberg der Sitz der
inzwischen verbotenen neonazistischen Wiking-Jugend. Wolfgang Nahrath
und später sein Sohn Wolfram betrieben von ihrem Privathaus in
Stolberg-Büsbach aus, die Bundeszentrale dieser Organisation (Apabiz). Zudem hat die NPD in Stolberg gleich zwei Ratsmandate inne, die DVU ein weiteres.
Während der Demonstration kam es zu massiven
Auseinandersetzungen mit den Cops, deren Strategie auf Abschreckung
ausgerichtet zu sein schien. Erst nach 5-stündiger Verspätung -
verursacht durch Vorkontrollen - konnten die Neonazis durch ein
überwiegend migrantisches Viertel, die „Mühle“, in Stolberg ziehen.
Allerdings nicht, ohne mehrfach von Team Green wegen Vermummungen und
Übergriffen auf JournalistInnen gestoppt zu werden. Kurz nach dem
ersten Halt des Aufmarsches „entfernte sich ein offensichtlich leicht
verletzter Neonazi der als Ordner eingesetzt war, aus dem
stillstehenden Demonstrationszug und griff einen anwesenden
Fotojournalisten tätlich an“ (Recherche Nord). Die Bilanz des Tages waren 31 Verletzte und mehrere Dutzend Festnahmen (Recherche Nord). Dass diese polizeiliche Strategie jedoch eher zur Mobilisierung beiträgt, denn Stolberg als Aufmarschgebiet für Neonazis unattraktiv zu machen, zeigen jüngst erschienene Mobilisierungsvideos der extremen Rechten (YouTube). Diese richten sich gerade an junge aktionistische Rechte, die Gewalt, die die Auseinandersetzung mit den Cops als anziehend empfinden. Die in der „AG Rheinland“ organisierten örtlichen „Autonomen Nationalisten“ gaben als Parole nach dem Aufmarsch heraus: „Eines ist heute schon gewiss: Eure Repression macht uns nur noch stärker - wir kommen wieder, wenn es sein muss jeden Tag! Am 26.04. vereint nach Stolberg! Den Polizeirepressionen erneut entgegentreten!“ Auch der Titel dieses Beitrags („Den Hass auf die Straße tragen“) verweist auf die Strategie der Neonazis. Von Trauer um den Getöteten ist nicht die Rede.
In Stolberg ist für den 26.4.2008 erneut eine
Großdemonstration der extremen Rechten, diesmal organisiert von der
NPD, angemeldet. Auch in diesem Fall werden freie Kameradschaften und
Partei Hand in Hand auftreten. Christian Worch hat unlängst sein
Erscheinen angekündigt, auch so genannte „Autonome Nationalisten“ aus
Aachen Stadt, die in der „AG Rheinland“ organisiert sind, mobilisieren
zu diesem Aufmarsch. AntifaschistInnen aus der Region rechnen mit einer
ähnlichen, wenn nicht höheren Beteiligung.
Überlassen wir den Nazis nicht die Straße!
Kommt am 26.4 nach Stolberg, mobilisiert, bringt
FreundInnen mit, haltet Eure Nazis „zuhause“ (oder nutzt die Zeit in
der wir sie ablenken), seid unkontrollierbar und entschlossen! http://stolberg.blogsport.de www.antifa-dueren.org Weitere Texte und Artikel Neuere Artikel
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