Die Deutschen lassen sich so gut wie nicht mehr krankschreiben: Der Krankenstand in den Betrieben ist nach einem Bericht der Zeitung «Die Welt» im ersten Halbjahr 2007 auf ein Rekordtief gefallen. Die Arbeitnehmer fehlten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres durchschnittlich 3,34 Prozent der Sollarbeitszeit (Vorjahr: 3,37 Prozent). Dies belegen Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums. Die Fehlzeiten entsprechen demnach 3,6 Arbeitstagen. Das sei der niedrigste Krankenstand [...] (seit) der Wiedervereinigung und im Westen seit Einführung der Lohnfortzahlung im Jahr 1970.
Fraglich ist, ob man diese Entwicklung mit den Kampagnen zur Gesundheitserhaltung der BundesbürgerInnen erklären kann (Anti-Raucherkampagnen, Kampagnen für gesunde Ernährung, etc.). Immer mehr Menschen bangen um den eigenen Arbeitsplatz- und somit um den Verlust von existenzsichernden Einkommen. Unserer Einschätzung nach, liegt dieser Umstand als Erklärung um abnehmende Fehlzeiten der Beschäftigten näher an der Wahrheit.
Tatsache ist: der/ die durchschnittliche BundesbürgerIn wird tatsächlich immer gesünder- und auch älter. Interessant ist: das oberste Einkommensviertel der Bevölkerung lebt ungefähr zehn Jahre länger als die Unterschicht. Die sog. Unterschicht trägt ein doppelt so hohes Risiko, ernsthaft zu erkranken oder vorzeitig zu sterben.
Die Jungle-World schreibt dazu:
Da Chefs nicht krankfeiern – bei ihnen heißt das »Geschäftsessen«, »Dienstreise« oder »Außentermin« – müssen es die Angestellten und Arbeiter sein, die sich erdreisten, immer noch 3,34 Prozent ihrer Sollarbeitszeit mit Arztbesuchen, Gips-Tragen und Fiebermessen zu vertrödeln. Womöglich liegen sie sogar im Bett, während ihre Kollegen weiterschuften! Und das tun immer mehr, auch wenn sie krank sind, aus Angst vor Arbeitsplatzverlust. Tatsächlich trennen sich immer mehr Betriebe von Mitarbeitern mit schwächerer Gesundheit.
Zum vollständigen Artikel in der Jungle-World
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Umfrage des europäischen Online-Stellenmarktes StepStone aus dem Jahre 2006
Nach einer Umfrage des europäischen Online-Stellenmarktes StepStone, an der sich in Deutschland 10.788 Besucher beteiligten, gaben nur neun Prozent der Befragten an, sich im Krankheitsfall auszukurieren. 41 Prozent der Teilnehmer sagten, unabhängig von der Schwere der Krankheit zu arbeiten - davon 14 Prozent aus Sorge um ihren Arbeitsplatz. Weitere 50 Prozent erklärten wegen kleinerer Beschwerden nicht zu Hause zu bleiben.
Die Ergebnisse decken sich mit der Tatsache, dass die Anzahl der durchschnittlichen Krankheitstage im letzten Jahr (Anm. der Red.: 2005) von 7,2 auf 6,8 Tage gesunken ist. Klar ist: In der heutigen Leistungsgesellschaft ist eine Erkältung nicht mehr unbedingt ein Grund zu Hause zu bleiben. Letztlich liegt die Entscheidung, wann man besser das Bett hütet, aber im persönlichen Ermessen des Betroffenen
so Frank Hensgens, Vorstand der StepStone Deutschland AG.
- 23/09/2007 23:18 - Was ist eigentlich Anarcho-Syndikalismus
- 19/09/2007 10:52 - Fred Alpi auf Deutschlandtour
- 15/09/2007 11:34 - Utopia: Gewaltfrei-anarchistische Jugendzeitung
- 11/09/2007 13:47 - Nur 12 Prozent sind zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz
- 10/09/2007 17:24 - BVMW: Niedriglohnsektor über Unternehmen selber steuern
- 08/09/2007 12:04 - Lotta NRW: Ausgabe Nr. 28 (Herbst 2007) erschienen
- 29/08/2007 14:11 - Antiterroristisches Wochenende 12.-14. Oktober 2007
- 23/08/2007 15:17 - Arbeitsbedingungen von ZeitarbeiterInnen in der Praxis
- 20/08/2007 19:45 - Der neue Syndikal- Taschenkalender ist da!







