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Terminhinweise

Kalker Krisen Sommernächte 2009: Veranstaltungsreihe in Köln zum Thema Krise und Kapitalismus

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Kalker Krisen Sommernächte 2009

Die flauen Sommermonate und öde Ferienzeit wollen wir dazu nutzen, allen Daheimgebliebenen eine kleine Reihe von Veranstaltungen zum Thema "Krise und Kapitalismus" anzubieten und mit euch in eine Diskussion darüber zu kommen, wie wir mit dem ganzen Quatsch möglichst schnell Schluss machen können. Es wird Filme, Musik, Vorträge, Buchlesungen, also mehr oder weniger Unterhaltsames geben - mit anschließendem Umtrunk und Imbiss im lauschigen Garten des Naturfreundehaus Kalk. In den lauen Sommernächten hören wir dann vielleicht nicht nur den lieblichen Gesang der Nachtigall, sondern auch das herannahende Grollen eines zusammenbrechenden Gesellschaftssystems ...

Eine Veranstaltungsreihe von SOMOST und C&A

Do., 25. Juni 2009, 19 Uhr:
Der revolutionäre Atlantik - oder wie alles anfing

Do., 2. Juli 2009, 19 Uhr:
Argentinien 2001 - Krise des Geldes und ein sehr moderner antistaatlicher Aufstand

Mi., 8. Juli 2009, 19 Uhr:
Akkumulation durch Enteignung - Einführendes zu David Harvey

Do., 16. Juli 2009, 19 Uhr:
Mit Baby und Banner - der erfolgreiche Sit-Down-Streik in der großen Krise 1936/37

Do., 30. Juli 2009, 19 Uhr:
Giù le mani - Hände weg von den Werkstätten in Bellinzona

Do., 13. August 2009, 19 Uhr:
500 Jahre Kapitalismus sind genug! oder: Was bedeutet die aktuelle Krise?


Alle Veranstaltungen finden statt im Naturfreundehaus Kalk
Kapellenstr. 9a, Tel 0221 8701058 (U-Bahn Kalk Kapelle)

Do., 25. Juni 2009, 19 Uhr:

Der revolutionäre Atlantik - oder wie alles anfing

Lesung aus und Vorstellung des Buchs von Peter Linebaugh und Marcus Rediker:
Die vielköpfige Hydra. Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks, Assoziation A 2008.
Mit musikalischen Anspielungen auf Digger, Piraten und Piratinnen, Sklavinnen und Sklaven, Commoners und Rebellinnen.

Im 17. und 18. Jahrhundert ist die vielköpfige Hydra-Schlange aus der griechischen Mythologie, der zwei Köpfe nachwachsen, wo einer abgeschlagen wird, Sinnbild für ein rebellisches transatlantisches Proletariat. Von Anbeginn an hat sich der Kapitalismus nur durch blutige Gewalt auf der Welt durchsetzen und ausweiten lassen. Das Buch rekonstruiert detailliert und anschaulich die Kämpfe, Rebellionen, Ideen und Träume derer, die erst in einer Jahrhunderte langen Geschichte der Unterdrückung, Versklavung und Ermordung in dieses System der Geldverwertung hineingepresst werden konnten. Diese "alten" Geschichten sind höchst aktuell, weil sie zeigen, wie sich quer zu Grenzen und rassistischen Grenzziehungen ein rebellisches Gemisch aus vom Land vertriebenen commoners, entlaufenen Sklavinnen und Sklaven aus Afrika, Piratinnen und Piraten im atlantischen Raum zusammensetzte und den Siegeszug des Kapitals blockierte. Damit leistet diese Art der kritischen Geschichtsschreibung einen Beitrag zu der Frage, wie sich heute, angesichts der globalen Krise, eine transnationale Rebellion entfalten kann.


Do., 2. Juli 2009, 19 Uhr:

Argentinien 2001 - Krise des Geldes und ein sehr moderner antistaatlicher Aufstand

Argentinien war ein Testfall für beide Seiten: Der IWF hat ausprobiert, was passiert, wenn sie ein Land in die Krise abrutschen lassen (und hat nach dem Aufstand drohende Kriseneinbrüche in den umliegenden Ländern schnell durch neue Kredite aufgefangen). Von unten entwickelte sich mit dem Aufstand ein Labor sozialer Bewegungen. Monatelang beherrschten Basisdemokratie und antistaatliche Parolen die Szenerie. In großen Versammlungen auf Straßen und in besetzten Betrieben wurden Wege gesucht, das Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Die Bewegungen in Argentinien sind längst wieder von staatlicher Vermittlung eingeholt worden. Aber dieser Aufstand hat im kleinen nationalen Rahmen gezeigt, welche Energien und Dynamiken freigesetzt werden können, wenn Geldwirtschaft und Alltagsroutine zusammenbrechen. Wir wollen keinen "Länderabend" veranstalten, sondern anhand der argentinischen Erfahrungen beispielhaft diskutieren, was Hintergrund und Voraussetzungen solcher Bewegungen sind, und worauf sie rauslaufen könnten, wenn sie nicht mehr im nationalen Rahmen gefangen bleiben.


Mi., 8. Juli 2009, 19 Uhr:

Akkumulation durch Enteignung - Einführendes zu David Harvey

Michael Barg gibt eine Einführung in das Denken des marxistischen Stadtgeographen und Wirtschaftstheoretikers David Harvey. Sein Buch "Der neue Imperialismus" ist dabei Referenzpunkt.

Kapital produziert Mehrwert; dieser Mehrwert bildet zusätzliches Kapital. Möglich wurde diese erweiterte Reproduktion durch einen vorgelagerten Prozess, in dem HandwerkerInnen und BäuerInnen gewaltsam ihrer Produktionsmittel enteignet wurden. Besitzlose ProletarierInnen auf der einen, und Unternehmen mit Besitz an Produktionsmitteln auf der anderen Seite waren die Folge. Marx nennt diese Phase der Ablösung des Feudalismus "ursprüngliche Akkumulation" und sieht sie als Voraussetzung, nicht aber als wesentlichen Bestandteil des Kapitalismus mit erweiterter Reproduktion. Harvey folgt der Marxschen Grundannahme, er vertritt jedoch die These, dass Akkumulation durch Enteignung auch in der Phase erweiterter Reproduktion von Bedeutung sei und sich bis heute über Privatisierung, Kapitalmarktkonkurse mit anschließender Zentralisation sowie Eroberungen durch Kriege verwirkliche.


Do., 16. Juli 2009, 19 Uhr:

Mit Baby und Banner - der erfolgreiche Sit-Down-Streik in der großen Krise 1936/37

In dem Dokumentarfilm "Mit Baby und Banner" (46 min, USA 1978) erzählen neun Frauen die Geschichte des Besetzungsstreiks bei General Motors in Flint / Michigan im Winter 1936/37. Die "Frauen-Notstandsbrigade", die den Streik von Außen gegen die Angriffe der Bullen und Nationalgarde unterstützte, spielte eine herausragende Rolle dabei, dem Streik zum Erfolg zu verhelfen. Die Konsequenz, mit der diese Geschichte von einer feministischen Historikerinnengruppe aus Sicht der beteiligten Frauen rekonstruiert wurde, stieß in der mittlerweile etablierten Automobilarbeitergewerkschaft UAW nicht auf besondere Gegenliebe - was den Film umso spannender macht. Einleitend werden wir auf die welthistorische Bedeutung dieser Streikwelle in den USA eingehen. Sie ist zugleich eine beeindruckende praktisch-historische Widerlegung des Mythos, in der Krise seien erfolgreiche Kämpfe von Arbeiterinnen und Arbeitern nicht mehr möglich.


Do., 30. Juli 2009, 19 Uhr:

Giù le mani - Hände weg von den Werkstätten in Bellinzona

Dokumentarfilm zum wilden Streik und der Besetzung der Lokomotivwerkstätten von SBB Cargo in Bellinzona in der Schweiz im März 2008, womit die angekündigte Schließung verhindert wurde.
(Giù le mani, CH, 2008, 87 min., Italienisch mit deutschen Untertiteln).

Nach der Schließungsankündigung für ihre Werkstätten am 7. März 2008 treten die 430 ArbeiterInnen von SBB Cargo sofort in den Streik, besetzen den Betrieb und bewachen ihn rund um die Uhr. Die "Officine" werden zu einer Bastion, zu einem Symbol des Widerstands und zu einem Ort radikaler Arbeiterdemokratie. Innerhalb von wenigen Tagen entwickelt sich eine breite Protestbewegung in der ganzen Region. Nach 30 Tagen machen die SBB (Schweizerische Bundesbahnen) einen Rückzieher, die geplante Schließung ist vom Tisch. Die Garantie bis 2010 wird im Herbst um weitere zwei Jahre verlängert, nachdem die ArbeiterInnen erneut mit Streik und Demonstrationen gedroht haben. Dieser Kampf hat vielen Mut gemacht und zu einer Vernetzung von AktivistInnen in der gesamten Schweiz und über die Grenzen hinaus geführt.

Der Filmemacher Danilo Catti zum Film: "Der Streik in Bellinzona wurde von den Arbeitern begonnen und durchgeführt. Das ist ein wichtiger Punkt, der alles Weitere prägte. Was mich sofort beeindruckte, war die Entschlossenheit, die Klugheit und die Kreativität dieser Bewegung - die Intelligenz von Menschen, die arbeiten und nachdenken können. Es war ein intensiver Streik, während dem ich welche vor Wut schreien und vor Ergriffenheit weinen sah. (...) Ich filmte pausenlos - aus Angst, einen wichtigen Moment zu verpassen. Der Kampf wurde in den Medien hochgespielt. Vom ersten Tag an musste ich eine Perspektive finden, die einen Blick von innen erlaubte, nahe an den Arbeitern dran."


Do., 13. August 2009, 19 Uhr:

500 Jahre Kapitalismus sind genug! oder: Was bedeutet die aktuelle Krise?

Über fünfhundert Jahre lang hat sich der Kapitalismus zu einem weltumspannenden System entwickelt. In mehreren langen Zyklen und durch tiefe Krisen hindurch hat das Prinzip der Produktion um der Produktion willen der Welt ihren Stempel aufgedrückt und immer neue Formen der Ausbeutung der Menschen und der Zerstörung von Natur hervorgebracht. Zusammen mit dieser Entfaltung von Herrschaft und Ausbeutung haben sich über die Jahrhunderte aber auch die Kämpfe dagegen weiterentwickelt und an Macht gewonnen. Heute stehen wir am Beginn einer Krise von welthistorischer Dimension, deren Ausgang völlig ungewiss ist. Aber das Wissen über den historischen Entwicklungsverlauf dieses Systems kann uns dabei helfen, die Möglichkeiten und Perspektiven unserer Kämpfe gegen das Kapital und die drohende Barbarei, die mit jeder kapitalistischen Krise in der Luft liegt, abzuschätzen. Auf der Veranstaltung soll die Geschichte des Kapitalismus nachgezeichnet und auf die heutige Situation bezogen werden. Dabei werden wir auch noch mal einen Blick auf den Bruch werfen, den die Revolte von 1968 markiert - die mit Gedenkfeiern wie im letzten Jahr entsorgt werden sollte, deren Impulse sich aber untergründig fortgesetzt haben und aktueller sind, als es sich die diversen Verteidiger des bürgerlichen Staats wünschen können.


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