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| Samstag, 13. Oktober 2007 | |
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In dem nun folgenden Textabschnitt dokumentieren wir den Redebeitrag der Freien ArbeiterInnen Union Aachen, der am heutigen Samstag als Beitrag zur Kundgebung vor dem Elisenbrunnen- im Rahmen des antiterroristischen Wochenendes- gehalten wurde.
In regelmäßigen Abständen werden in der Öffentlichkeit Gesetzesänderungen in Bezug auf die "innere Sicherheit" vom Innenministerium oder so genannten ExpertInnenrunden gefordert. Gemeint sind nicht etwa Änderungen, die zur Verbesserung der sozialen Lage der Bevölkerung führen, wie z.B. ein bedingungsloses Existenzgeld für alle oder Bleiberecht für alle, die hier leben wollen. Nein, gemeint sind Einschnitte, die mehr Kontrolle, Überwachung und Zugriffe der Sicherheitsbehörden ermöglichen.
Schauen
wir uns die aktuelle Repressionswelle mal was genauer an: Im Juni 2007 durchsuchte das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein, unterstützt durch das LKA Hamburg und die Bundesanwaltschaft, Wohnungen von neun Beschuldigten und das linke Projekt "Inihaus" in Bad Oldesloe. Eine Woche später gab es Durchsuchungen bei zwei Beschuldigten in Berlin. Der Vorwurf: Eine Reihe von vier Anschlägen auf Objekte von Rüstungszulieferern und der Bundeswehr in den Jahren 2002, 2004 und 2006. Einem Beschuldigten aus Berlin werden der bloße Kontakt zu einem weiteren Beschuldigten und seine Teilnahme an antimilitaristischen Protesten zur Last gelegt. Handhabe für die Durchsuchungen war der Paragraf 129a.
Im Juli 2007 wurden Wohnungen und Arbeitsplätze von
insgesamt sieben Beschuldigten in Berlin und Leipzig durchsucht.
Einer der Beschuldigten, Andrej H., wurde in Berlin festgenommen,
drei weitere Betroffene waren wenige Stunden zuvor festgenommen
worden; ihnen wird ein versuchter Brandanschlag auf Bundeswehr-LKWs
in Brandenburg vorgeworfen. Der Sozialwissenschaftler Andrej H. wurde
inzwischen aufgrund des breiten und internationalen Drucks der
Wissenschaftsgemeinde auf Kaution freigelassen. Die Haftbefehle gegen
die vier Männer bleiben jedoch bestehen und 3 der Beschuldigten
sitzen weiterhin in Untersuchungshaft. Ihnen allen wird vorgeworfen,
Mitglieder der "militanten gruppe" zu sein, die seit 2001
mit Brandanschlägen gegen Repressionsorgane und Konzerne und mit
Diskussionsbeiträgen in die Öffentlichkeit tritt.
Bei
einem Bonner Gipfelgegner und Inhaber der Internetseite
antiatombonn.de fand im August eine Hausdurchsuchung statt, wobei
auch sein Computer beschlagnahmt wurde. Der Grund der Durchsuchung
ist ein Artikel, der das Aktionskonzept von Block G8 dokumentiert.
Dieser Artikel wurde auf besagter Internetseite veröffentlicht
und stelle einen Aufruf zu Straftaten dar. Doch die Verwendung des Terrorismusparagrafen 129a lässt sich nicht allein mit dem staatlichen Bestreben umfassender Überwachung und Kontrolle begründen. Durch solche Verfahren sollen berechtigte gesellschaftliche Interessen und Kritik denunziert werden. Jemanden als „Terroristen“ zu brandmarken, rückt ihn jenseits des Ermittlungsverfahrens der Bundesanwaltschaft in die Reihe von „Angst und Schrecken“, „fanatischen Ideologien“ und stellt ihn außerhalb der „Zivilisation“. Ihm gegenüber muss der Staat sich dann eigentlich nicht mehr an Gesetze und Grundrechte halten, da ist alles erlaubt. Terroristen sind Unmenschen, das moderne Feindbild nach dem Ende der „kommunistischen Bedrohung“ schlechthin.
Die von den Alliierten
erzwungene Trennung von Polizei, Geheimdiensten und Gerichten, die
nach den Erfahrungen mit der GESTAPO im Nationalsozialismus 1949
festgesetzt wurde, ist in der Realität längst aufgehoben.
Bereits jetzt existiert ein „Gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum“
in Berlin, und das Innenministerium plant „einen völlig neuen
Ansatz“ bei der „ganzheitlichen Bekämpfung“ von
Terrorismus, der unter anderem vorsieht, Aufenthaltsgenehmigungen von
Migrantinnen und Migranten, die sich in der BRD politisch betätigen,
zu widerrufen. In Berlin plant der Rot-Rote Senat ganz im Sinne reaktionärer Sicherheitspolitik für den Herbst 2007 eine Verschärfung des „Gesetzes zum Schutz der Öffentlichen Sicherheit und Ordnung“. Die Polizei soll die Möglichkeit erhalten, auf Videoaufnahmen von privaten Sicherheitsdiensten zurückzugreifen und diese auszuwerten. Des Weiteren soll die verdeckte Ortung von Handys – bereits jetzt eine polizeiliche Praxis – durch die Gesetzesverschärfung legalisiert werden
Völlig unabhängig
von der in der Vergangenheit geäußerten Kritik am Ausbau
des Überwachungsstaates, entblödet sich keine der
sogenannten linken Parteien- ob nun SPD, Linkspartei oder
Bündnis90/Die Grünen- fleißig am Ausbau bzw. der
Verschärfung und Neuschaffung entsprechender Überwachungsgesetze
mitzuwirken. Rot-Grün verdanken wir die biometrischen Daten in Pässen und Aufenthaltspapieren, ebenso den Zugriff des BND und des Verfassungsschutzes auf die Daten der Asylbewerberinnen und -bewerber. Auch die Erweiterung des so genannten Anti-Terror-Paragraphen 129b wurde von ihnen beschlossen. Die Linkspartei führte ziemlich genau ein Jahr vor dem Gipfeltreffen in Heiligendamm gemeinsam mit der SPD in Mecklenburg-Vorpommern unter anderem die Videoüberwachung des öffentlichen Raums, die automatische Erfassung von Autokennzeichen und die »präventive« Telefonüberwachung ein. Der eigentliche Antrieb für den Ausbau des Kontroll- und Überwachungsstaates sind die gesellschaftlichen Verhältnisse selbst. Die gesellschaftlichen Widersprüche spitzen sich momentan weiter zu. Der Abbau von sozialen Sicherungssystemen, Entlassungen und Lohnsenkung führen dazu, dass immer mehr Menschen von Armut und Ausgrenzung betroffen sind. So werden zum Beispiel durch „Hartz IV“ viele Menschen von sozialem Abstieg bedroht. Der Kapitalismus verdrängt einen größer werdenden Teil der Bevölkerung aus einer gesicherten Existenz. Somit gerät auch die soziale Stabilität der Gesellschaft ins Wanken. Stabile Verhältnisse sind für das Funktionieren der kapitalistischen Ökonomie jedoch von zentraler Bedeutung. Die von staatlicher Seite vorangetriebene Ausweitung des Repressions- und Überwachungsapparates hat vor allem eine präventive Funktion. Der Staatsapparat will gegenüber größer werdendem Widerstand gegen die kapitalistische Zumutung gerüstet sein. Der Zusammenhang zwischen verschärfter Ausbeutung und so genannten Sicherheitsstrategien muss gesehen werden. Der Abbau des Sozialstaats geht mit dem Aufbau des Sicherheitsstaats einher. Eins ist sicher bei diesem Generalangriff auf elementare individuelle und politische Rechte: Er nützt denen, die den Staat in einen autoritären und präventiven Sicherheitsstaat umwandeln wollen. Auf dem Weg zum gläsernen Menschen wird fleißig all das bekämpft, was die herrschaftliche Vorstellung von Demokratie und Markt in Frage stellt. Gefährlich ist so alles, was sich der staatlichen Obhut entzieht. Doch nicht nur der Staat hört mit. Fast alle Unternehmen speichern die persönlichen Daten ihrer Kunden.
Wir
legen keinen Wert auf diese Sicherheit, die lediglich heißt,
noch mehr überwacht, protokolliert und abgehört zu werden.
Unsere Sicherheit hat eine andere Logik! Sicherheit bedeutet
ökonomische Unabhängigkeit, bedeutet Bewegungsfreiheit,
bedeutet das Recht auf gute gesundheitliche Versorgung. Also: Globale
soziale Rechte - ein gutes Leben - für alle! Wir schlagen also vor das Problem an der Wurzel zu packen und den Kapitalismus endlich abzuschaffen... Um es mit einem bekannten Zitat auf den Punkt zu bringen: Wer grundlegende Freiheiten aufgibt, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.“
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